Mama, Charlies Mutter hat gesagt, ....
gewidmet:
dem besten Vater dieser Welt
+ Marco
Änni:
Mama, sag mal, Charlies Mutter hat gesagt, Charlies Onkel
Fritz habe sich vom Acker gemacht, als Charlies Cousin Michi zur Welt
kam. Er sei ein Saukerl, dieser Fritz, hat Charlies Mutter gesagt.
Mama: Ja,
Änni. Wenn es so war, dass der Vater von Charlies Cousin sich
seiner Verantwortung als Vater nicht gestellt hat, dann ist er ein
echter Saukerl.
Änni:
Na
ja, vielleicht hatte Charlies Onkel Fritz ja keine Lust auf Kinder,
Mama.
Mama: Also Änni (ernster
Ton) deshalb läuft man doch nicht einfach davon. Wir machen
doch alle manchmal Dinge, die uns nicht gefallen. Guck, ich arbeite jeden Tag
für ein Unternehmen, dessen Produkte ich mir von meinem Gehalt niemals
kaufen kann. Trotzdem bleibe ich dort und haue nicht einfach ab. Obwohl es mir
nicht gefällt.
Änni:
Mama, der
Vergleich hinkt aber. (lacht beim Reden)
Du könntest Dir ja einen neuen Betrieb suchen. Aber einen neuen Vater bekommst
du nicht einfach an der Supermarktkasse. Also, warum bekommen Leute Kinder,
Mama?
Mama: Hm, da gibt es sicher verschiedene
Gründe, Änni. Die einen lieben sich so sehr, dass sie gemeinsam ein
Kind haben wollen. Die anderen haben Angst vor dem Tod und müssen sich
reproduzieren. Andere Menschen wiederum finden es schick, Kinder zu haben. Wiederum
andere wollen einen gesellschaftlichen Beitrag leisten und setzen Kinder in
die Welt. Manchmal passiert es auch ganz einfach, ohne dass es vorher geplant
war, Änni.
Änni:
(laut
entrüstet) Ohne Planung ! Na das könnte mir nicht passieren,
Mama. Könnte das nicht aber bei Charlies Onkel so gewesen sein, Mama? Ein
Unfall und dann hat er sich einfach vom Acker gemacht.
Mama:
Ich will
das nicht ausschließen, Änni. Aber ich finde das trotzdem nicht gut.
Änni:
Irgendwie
bist Du spießig, Mama. Und moralisch. Vielleicht braucht Charlies Cousin
gar keinen Vater. Vielleicht erzählen ihm die Erwachsenen immer nur, jeder
müsse einen Vater haben. Ich habe jedenfalls mehr Klassenkameraden ohne
als mit Vater. Glaube ich.
Mama:
Na prima,
Änni, dass Du wenigsten nicht moralisch und spießig bist wie ich.
Da bin ich wirklich sehr froh drüber, mein Kind. Was hältst du denn
davon, wir schicken Papa die nächsten Wochen einfach mal zu Tante Hilde.
Irgendwie habe ich zur Zeit keine Lust mehr auf Papa. Der schnarcht nachts laut,
wälzt sich im Bett und klaut mir regelmäßig die Bettdecke im
Schlaf. Papa nervt mich.
Änni:
(entrüstet,
wütend) Aber Mama, was redest Du da. (entschlossen)Wenn
Du Papa zu Tante Hilde schickst, gehe ich mit ihm.
Mama:
Aber Änni, Du wirst doch jetzt nicht spießig, oder?
Änni:
(trotzig)
Ist mir doch egal. Bin ich halt spießig, Mama. Aber Papa gehört zu
uns. Den kannst Du doch nicht einfach so weggehen lassen. Wer liest mir dann
abends Harry Potter vor, wer bringt mich morgens in die Schule und spielt am
Wochenende mit mir Schach? Du bist wirklich gemein, Mama.
Mama:
Reg Dich wieder ab, Änni. Ich werde Papa nicht wegschicken.
(versöhnlicher, beruhigender Ton) Aber
Du siehst, jeder braucht seinen Vater. Vielleicht will das Charlies Cousin Michi
nur nicht zugeben. Könnte doch sein, Änni. Oder?
Änni: (leise
und nachdenklich redend) Vielleicht. Könnte schon sein. Vielleicht
frag ich ihn mal, Mama. Im übrigen, Du schnarchst auch, Mama. Das hat mir
Papa verraten. Am besten soll Papa sein Bett bei mir ins Zimmer stellen, damit
er morgens ausgeschlafen ist und mit mir dann spielen kann.