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DER HERR LAUSCHER

SPOTS FOR NATURE
STUMMFILM
Der Sturm
1. Bild: Außen - WÜSTE
-
TAG
MUSIK: Mollige Klaviermusik
im Stummfilmcharakter unterlegen die Einstellung.
KAMERA: Totale.
MONTAGE auf MUSIK
Weites Land. Wüste.
Menschenleer. Nur ein paar vereinzelte, ungesund aussehende,
stachelige Kakteen sind zu sehen. Und ein Mann. Er sieht aus
wie Charly Chaplin. BEWÖLKTER HIMMEL.
Mann sitzt auf einem gepackten Koffer.
Er macht ein trauriges Gesicht. Guckt verlassen in das weite
Land. Sein Blick schweift in die Ferne.
2. Bild: Außen
TAG
MUSIK: Zerrissenheit,
Suche, Schwermut unterstützend.
KAMERA: Halbtotale auf Mann.
MONTAGE auf MUSIK
Mit seinen großen, traurigen Augen guckt Charly
Chaplin direkt in die Kamera.
Schwermut, Einsamkeit, Verlassenheit sind die tragenden Gefühle
seines Gesichtsausdrucks.
Er neigt seinen Kopf und stützt ihn auf die linke geballte
Faust. Der Ellbogen liegt auf dem linken Bein.
3. Bild:
Einblende „Untertiteltext“:
„Meine
Umwelt hat mein Leben zerstört.“
Der Text wird vorgelesen. Männliche Stimme aus dem Off.
MUSIK von 2. Einstellung spielt im Hintergrund weiter.
4. Bild: Außen
TAG
MUSIK: Moll Klavier.
KAMERKA: Nah. Kamera wahrt dabei aber respektvoll Distanz.
Protagonist darf sich nicht beobachtet fühlen. Kamera
muss für ihn unsichtbar bleiben.
MONTAGE AUF MUSIK
Chaplin laufen
die Tränen über die Wangen.
5. Bild: Außen
TAG
Einblende „Untertiteltext“:
„Die Welt geht unter. Ich gehe mit unter.
Ich kann das Schöne nicht mehr fühlen.“
Untertitel: Männliche Stimme aus dem Off liest vor.
Tragisch theatralisch gesprochen.
6. Bild: Außen
TAG
KAMERA: Halbtotale
auf Mann.
MUSIK: stürmisches
Klavierrauschen.
KAMERA fährt während des „Kampfes“ auf
Totale.
MONTAGE AUF MUSIK
Ein Sturm zieht auf.
Der Hut des Chaplin-Mannes fliegt davon. Er sieht seinem Hut
wehmütig hinterher. Um seinen Kopf wirbelt sein Haar.
Er kann nichts mehr sehen,
weil sein Haar ihm die Sicht versperrt. Chaplin schlägt
mit den Händen in die Luft. Springt auf, wehrt sich mit
Händen und Füßen gegen die Windböen.
So als wolle er dem Sturm sagen, er solle ihn in Ruhe lassen,
sich davonmachen.
Hau ab! sagen.
Beim Treten verletzt Chaplin sich den Fuß am Koffer.
Er pustet seinen Schuh, so wie es Eltern bei ihren Kinder
tun, die sich die Hand oder den Zeh angestoßen haben.
7. Bild: Außen
TAG
KAMERA: Halbtotale
auf Mann.
MUSIK: Heller, klarer,
ruhiger Klavierteppich.
MONTAGE AUF MUSIK
Der Sturm hat
sich gelegt. Chaplin sitzt erschöpft und zerzaust auf
seinem Koffer. Er blickt zu seinem linken Fuß, den er
sich zuvor angestoßen hatte. Plötzlich entdeckt
er direkt vor seinem Fuß ein wunderschönes grünes
Kleeblatt. Seine Augen werden riesengroß. Er lächelt.
Immer mehr strahlt er über das ganze Gesicht.
Er streichelt sehr behutsam und mit großem Respekt das
Kleeblatt.
KAMERA: Film wechselt
während der Einstellung von schwarz/weiß in Farbe.
Zunächst ist nur das Kleeblatt farbig, doch mit Verbesserung
der Stimmung des Protagonisten wird die gesamte Einstellung
farbig und bleibt es auch für den Rest des Films.
8. Bild: Außen
TAG
Einblende „Untertitel“:
„Meine
Umwelt schenkt mir Glück.“
9. Bild: Außen
TAG
MUSIK: Emotional
aufgeladen. Positiver Klangteppich. Harmonische Klavierakkorde.
KAMERA: Panorama.
MONTAGE AUF MUSIK
Chaplin ergreift sein Glück
und pflückt das Kleeblatt. Er strahlt. Hat nur noch Augen
für das Kleeblatt. Er steht auf. Nimmt seinen Spazierstock
in die rechte Hand. Den gepackten Koffer lässt er stehen.
Er dreht sich um. Mit dem Rücken zum Zuschauer. Der Zuschauer
sieht ihn auf die Sonne, die einer großen erstrahlten
Sonnenblume ähnlich sieht, mit dem typischen Chaplin
Watschelgang zugehen. Er schwingt seinen Stock. In seiner
linken Hand hält er stolz das Kleeblatt.
ENDE.

HERZRASEN - Der Hörfilm
1. Fassung vom 26.10.2003
David sitzt im Kino. Es beginnt gerade der Film „Liegen
lernen“. Da hört er wildes Geknutsche aus der letzten
Reihe des Kinosaals. Er wirft einen Blick nach hinten. Er
kann es nicht glauben, bei der Frau des Pärchens handelt
es sich um seine Ex-Liebe Jessie.
David reagiert aufgeregt (Herzklopfen, lauter werdend
bei Näherung an letzte Reihe). Nähert sich
den beiden gedanklich räumlich (Knutschen wird lauter)
und steigt metaphysisch in Jessie hinab (Erinnerungen
werden hochgespült; leichte Wellenbewegungen von Wasser).
Aus den Bewegungen wird ein Sprung ins Wasser.
Abtauchen (Unterwassergeräusche, Luft anhalten).
Plötzlich steckt er in ihr. Er wird von ihr angesaugt
wie ein Pfropfen.
Die Zeitreise in die Vergangenheit beginnt.
Dumpfe Umgebung. Befindet sich in der Nähe der Herzkammer
von Jessie. Er hört ihr Herz gleichmäßig und
stark pochen.
2. INT. – KONZERTHALLE
ABEND
David ist auf einem
Konzert von …. Er steht etwas abseits vom Geschehen
des Innenraums. Das Konzert gefällt ihm, aber es reißt
ihn nicht vom Hocker bis dato. Er dreht sich um, weil er sich
ein Bier kaufen will und da steht sie vor ihm: Jessie.
Er schaut ihr direkt in die Augen. Es ist Liebe auf den ersten
Blick.
(Die Musik wird in den Hintergrund gefahren. Schnelles
Herzrasen.)
DAVID
Wie heißt Du?
JESSIE
Jessie. Und du?
DAVID
David. Ich hol mir ein Bier. Willst du auch eins?
JESSIE
Klar. Warte ich komme mit.
Sie stoßen an mit Bierflaschen. Lachen.
(Musik im Hintergrund zu hören. Menschenstimmen.
Beide Herzschläge greifen rhythmisch ineinander. Wie
Zahnräder.)
JESSIE
Was machst du sonst so?
DAVID
Ich bin Gitarrist in einer Rockband. Wir nehmen gerade eine
echt geile Platte im Studio auf und gehen dann auf Tour im
Frühjahr.
JESSIE
Ach komm, erzähl mir keinen Scheiß. Jessie lacht
dabei. Sehr süß. David ist fassungslos (kurzer
Herzstillstand). Eine Frau, die mal nachfragt und sich
nicht gleich beeindrucken lässt.
3. EXT. – BAHNHOF SPÄTER
NACHMITTAG
Der Zug fährt
in den Bahnhof ein. David steigt ein bisschen nervös
aus. Jessie wartet am Gleis auf ihn. Er sieht sie bereits
aus der Ferne dort stehen und ihn mit den Augen suchen. Bevor
sie ihn entdeckt hat, steht er schon vor ihr. Sie drücken
sich fest. Sie Sonne scheint.
(Die Geräusche des Bahnhofs hört David schwach
im Hintergrund, während er Jessie umarmt.)
DAVID
Hallo. Geht’s dir gut, Jessie?
JESSIE
Klar geht’s mir gut. Schön, dass du da bist.
DAVID
Ich
habe Hunger. Lass uns was kochen bei dir.
Ich möchte dir auch etwas vorspielen. Einen Song, den
ich in der vergangenen Woche geschrieben habe. Er ist für
dich.
JESSIE
Echt? Da bin ich ja mal gespannt.
(sympathisch
lachend)
Sie machen sich auf den Weg zu Jessies Wohnung. Laufen.
DAVID
Hörst
du das auch, Jessie?
JESSIE
Was?
DAVID
Die Schritte. So als würden wir verfolgt von jemandem.
Dicht hinter uns.
(hörbare Schritte, dicht hinter den beiden)
Es beginnt zu Regnen. Nur leicht. Ein leichtes Tröpfeln
im Sonnenschein des Nachmittags. Ein
Regenbogen steht am Himmel.
JESSIE
Ach was. Das bildest du dir nur ein, du Musiker.
Immer auf der Suche nach Tönen und Geräuschen.
Dein Ohr schläft wohl nie?
(Jessie lacht David sympathisch an.)
4. INT. – WOHNUNG JESSIE/ KÜCHE
ABEND
Die beiden sitzen am Tisch in der
Wohnküche. Das Licht ist aus. Nur Kerzen erhellen die
Wohnküche. (Wasserhahn tropft. Knistern der Kerzenflammen.
Ruhige Herzschläge.)
DAVID
Das war super lecker, Jessie. Danke für das Essen.
Darf ich dir jetzt den Song vorspielen?
David wartet die Antwort von Jessie nicht ab. Er steht auf,
geht zum CD-Player in der Küche und legt seinen Song
auf, den er für Jessie geschrieben hat.
Wir hören seinen Song einen kurzen Augenblick eingespielt.
(Herzschläge werden schneller, zunächst der
von David, dann auch der von Jessie.)
Die beiden beginnen sich leidenschaftlich zu küssen.
Dann ziehen sie sich langsam gegenseitig aus. Man hört
David mit seinen Händen über die Haut von Jessie
gleiten. Jessie knöpft die Hose von David auf.
Das Telefon, das im Flur der Wohnung steht, klingelt. Der
Anrufer lässt es lange läuten bis er endlich auflegt.
Dann klingelt es erneut und verstummt kurz darauf. Jessie
lässt sich davon nicht irritieren oder ablenken. (Nur)
David (und nicht Jessie) hört kurz Schritte
hinter sich (der Zuhörer muss in der Rolle von David
sein). Die dann aber wieder verschwinden.
Das Tropfen des Wasserhahns wird immer lauter. Am Ende
klingt es wie das Rauschen des Meeres. Wellen werden ans Ufer
gespült.
David und Jessie lieben sich, atmen laut und intensiv.
Auftauchen. So wie wenn man lange unter Wasser die Lauft angehalten
hat und dann hochkommt und nach Luft schnappt.
Dann gibt es einen Plopp (Geräusch von Badenwannenstöpsel,
der vom Sog angezogen wird und sich dann festsaugt im Abflussrohr.)
ENDE EROTIKSZENE.
5. INT. – KINO
ABEND
David „erwacht“ kurz im Kino. Er ist orientierungslos.
Schaut auf die Leinwand und bekommt die Szene mit, in der
Britta Helmut mitteilt, dass sie zu ihrem Vater nach Amerika
auswandert und dort die Schule zu Ende macht.
DAVID
(im Selbstgespräch, spöttisch, fast ein bisschen
zynisch; wir spüren aber deutlich seine Verletzlichkeit)
Jetzt hat er Angst
der Kerl. Vor dem Verlassenwerden. Was für ein Weichei.
Ha, sie lässt ihn einfach so zurück. Na, wie ist
das Gefühl, wenn die große Liebe geht, einfach
so verschwindet?
David spürt plötzlich deutlich das Gefühl
der Angst vor dem Verlassen werden. Er bekommt wildes Herzrasen,
körperliche Erregung wie Zittern, Schweißausbruch.
Er schlottert am ganzen Körper.
David stürzt wieder in sein Unterbewusstsein. Er fällt
in ein schwarzes Loch. So wie Alice im Wunderland zum Beispiel
zu Beginn ihres Märchens.
>Beginn einer Verfolgungsjagd<
6. INT. –
BURG / VERLIES / Bibliothek
ABEND
DAVID
Scheiße, wo bin ich hier?
David tastet sich hilflos durch einen dunklen Raum. Er stolpert.
Fällt in eine Pfütze.
DAVID
Ich kann nichts sehen.
Er steht wieder auf. Flucht erneut vor sich hin. Das Knarren
einer Tür ist zu hören.
DAVID
Ah, hier ist eine Tür. Da gehe ich durch.
David befindet sich in einem Verlies. Offensichtlich das
Verlies einer alten, unbewohnten Burg. Er geht durch den Geheimgang
und gelangt in eine Bibliothek. Das Zimmer ist mit Kerzenlicht
hell erleuchtet.
DAVID
Eine alte Bibliothek mit einem Geheimgang. David pustet auf
die alten Bücher, wirbelt Staub auf und muss stark husten.
DAVID
Bücher über Geister und Dämonen.
Er nimmt ein Buch aus dem Regal und liest den Titel vor.
DAVID
Dämonen und Geister wohnen im Keller.
Er blättert weiter. Mit der Hand geschriebenes Gekritzel,
das er nicht entziffern kann. Und immer wieder zwischen den
Seiten der Satz „Habt Angst“.
DAVID
Ein unleserliches Gekritzel.
DAVID
(liest laut) Habt Angst.
Was soll das und wo bin ich hier gelandet?
Plötzlich steht ein schwarz gekleideter Mann an der
Tür des Zimmers, der David offensichtlich einen Moment
beobachtet hat. Er sieht aus wie ein Graf. Kraftvoll. Männlich.
Ein Kämpfertyp.
MANN IN SCHWARZ
Was interessieren sie die Bücher meines Weibes?
Und wie kommen sie in mein Gemach, sie Eindringling?
David ist irritiert. Ringt nach Fassung.
DAVID
Ich suche nach Orientierung. Können sie mir helfen?
MANN
IN SCHWARZ
Ich ihnen helfen. Sie sind unverschämt.
Was
haben sie hier zu suchen?
DAVID
Ich suche eigentlich meine Freundin Jessie.
MANN
IN SCHWARZ
Was wollen sie von meinem Weib? Lassen sie sie in Ruhe. Sie
gehört zu mir. Was reden sie da von IHRER Freundin?
DAVID
Aber sie ist meine Freundin.
Mann ruft nach Hausdiener Wilhelm.
Der schleppt sich herbei. Wie Quasimodo, der Bucklige, aus
„Tanz der Vampire“.
MANN IN SCHWARZ
Wirf den da in den Kerker, Wilhelm.
7. INT. – BURG / KERKER
ABEND
David wird in den Kerker gebracht. Die Kerkertür
quietscht. Der Kerker ist dreckig und faulig. Es stinkt. Mit
einem großen, schweren Schlüsselbund verriegelt
Wilhelm die Tür.
Die ganze Szene ist düster.
Die Stimmen hallen.
Der Mann in
Schwarz spricht mit einem russisch-deutschen Akzent.
David schläft
im Kerker schließlich irgendwann erschöpft ein.
Er träumt von Jessie. Er trifft sie in einem Wald. Das
Zwitschern von Vögeln am frühen Morgen ist zu hören.
Gemeinsam reiten sie durch diesen Wald. Sie suchen den Ausgang
aus dem Wald, der ihnen wie ein Labyrinth vorkommt, aus dem
es kein entkommen gibt. Ein kräftiger schwarzer Reiter
ist ihnen inzwischen auf den Fersen.
8. EXT. – WALD
MORGEN
DAVID (freudig
überrascht)
Jessie!
JESSIE
David.
DAVID
Hier entlang. Dort ist eine Böschung. Komm rasch!
Pferdegewieher.
Traben der Pferde. Schnauben.
DAVID
Wir werden verfolgt.
Hinter ihnen ist
der schwarze Reiter bereits deutlich zu hören. Sie kommen
an einen Fluss. David führt sein Pferd hinein, um mit
ihm auf die andere, sichere Seite zu wechseln und dem Revier
des Verfolgers zu entkommen.
DAVID
Komm, Jessie.
JESSIE
Nein. Ich schaffe das nicht durch den Fluss, David.
Hilf mir oder reite alleine weiter.
(kein flehender dafür mehr ein auffordernder Ton)
Rette
dich.
(Jessie spricht hier stellvertretend für das Unterbewusstsein
Davids. Sie macht sich schon fast ein wenig lustig über
David.)
David reitet keuchend weiter voran. Jessie wird von dem Schwarzen
Reiter eingeholt. Er holt sie vom Pferd, fesselt sie und nimmt
sie mit zu sich auf seine Burg zurück. Anfänglich
wehrt sie sich noch, ist widerborstig. Doch sie verliert den
Kampf.
(Szene ist hörbar im Hindergrund)
David ist auf der anderen Seite des Flusses angekommen. Er
wischt sich die Tränen von den Wangen. Er dreht sich
um, sieht, dass Jessie bereits gefangen genommen wurde. Er
reitet allein weiter.
DAVID
Er hat sie überwältigt. Ich muss fort. Fort.
Jessie, meine Liebe ist verloren.
9. INT. – IM KINO
ABEND
David erwacht im Kino aus seinen Träumen.
(Soggeräusch, das Traum akustisch beendet.)
David wischt sich die Tränen aus dem Gesicht.
Es läuft inzwischen
die letzte Szene des Films „liegen lernen“, in
der Helmut zu sich selbst findet.
(wir hören die Szene:) Er rennt aus der Kneipe,
fällt in die Pfütze vor der Tür. Er schaut
in den Spiegel und sieht deutlich sein Spiegelbild in der
Pfütze.
DAVID
(langsam, nachdenklich sprechend; er kommentiert die Kinoszene
und reflektiert sich dabei selbst)
Er schaut in die Pfütze und erkennt
sich selbst. Es ist, als ob er in den Spiegel blickt und sich
zum ersten Mal wahrnimmt.
Ist es zu spät für ihn. ……. (erschrocken)
Zu
spät für mich? Jessie?
Ich
habe sie verloren. Aus Angst. Aus Angst vor meinen Gefühlen
für sie und Sorge, sie könnte mich verlassen. Wegen
eines anderen.
David dreht sich
kurz um, um einen Blick auf die letzte Reihe des Kinos zu
werfen. Das Pärchen hat das Kino bereits verlassen.
(Sein Pulsschlag wird ganz ruhig. Er atmet tief und bewusst
ein und aus.)
Er steht auf und
verlässt das Kino. Sein Stuhl klappt hoch. Er stellt
seine Bierflasche in den Kasten. Er geht auf die Straße.
Es regnet.
David geht nach
Hause. Allein. Aber mit kräftigen Schritten voran. Schritt
für Schritt.
(Wir hören, wie sich seine Schritte langsam entfernen.
Im Hintergrund spielt der Song, den er für Jessie geschrieben
hat.)
Der
Herr Lauscher
Freiheit stirbt
mit Sicherheit
10 Minuten KURZFILM
1.
Szene EXT. - MAUERWAND - ABEND
Zwei
alte Männer stehen vor einer gemauerten Häuserwand.
Der eine drückt abwechselnd sein rechtes und linkes
Ohr an die Wand und lauscht angestrengt den Stimmen hinter
der Wand. Auf dem rechten Ärmel seiner Jacke prangt ein
BND-Zeichen. Der andere trägt ein Stasi-Abzeichen, das
auf den linken Ärmel seiner Jacke genäht ist. Aus
ihren Jacken quirlen Handys, Kabel und Drähte aller Art.
Zahlreiche Faxrollen liegen auf dem Boden verteilt. Der Stasi-Mann
hält ein antikes Hörrohr in der Hand.
STASI-MANN
Hörst
du was?
(leise
sprechend )
BND-MANN
Pst,
sei doch still. Wenn du so schreist,
hör
ich natürlich nichts.
Beide
schweigen wieder und lauschen. Die Stirn des einen wirft Falten,
der zweite guckt grimmig, indem er die Stirn zwischen den
Augen zusammenzieht.
2.
Szene INT. - ZIMMER HINTER DER WAND - ABEND
Zwei
Männer, Mitte 50, V-Leute des Verfassungsschutzes. Sie
sitzen in einem kärglich eingerichteten Zimmer, 50er
Jahre Mief. An der Wand hängt die Deutschlandfahne. Beide
tragen große Schnauzbärte, sind untersetzt und
haben dicke Bäuche. Auf dem Tisch, in der Mitte des Raums,
stehen leere Bierflaschen und ein überquellender Aschenbecher.
Mehrere Ausweise mit unterschiedlichen Identitäten liegen
daneben. An der Deckenwand hängt ein Monitor. Darunter
ein Plakat mit der Aufschrift "Big
Brother Award 200X".
1.
V-Mann liest einen Zeitungsartikel über den BND.
2.
V-MANN
Vergiss
doch mal diese Hosenscheißer.
Sag
mir lieber, was du herausgefunden hast.
Hat
der Pfaffe dir was erzählt?
1.
V-MANN
Naiver
Trottel. Ich war mit ihm Saufen.
Danach
war er willig.
2.
V-MANN
Und?
Nun lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen?
1.
V-MANN
Unseren
Hauptverdächtigen kennt er nicht gut.
Dafür
hat er mir interessante Dinge über einen anderen Mann
erzählt. Er pflegt ungewöhnliche Sexpraktiken.
2.
V-MANN
Und?
1.
V-MANN
Also
der vögelt nur am Wochenende mit seiner Alten. Meist
muss er sie zum Vögeln überreden. Am Morgen ist
er potenter als abends. Und wenn sie ihre Menstruation
hat, ist er besonders scharf auf das verdammte Weibstück.
2.
V-MANN
Sehr
gut, sehr gut. Große Ähnlichkeiten mit unserem
Mann. Wir sollten dem Kerl auf den Fersen bleiben.
1.
V-MANN
(selbstgefälliger
Tonfall ) Kollege.
Du
hast es hier mit einem Profi zu tun. Ich habe bereits veranlasst,
dass seine Post vom Boten überwacht wird. Mach mal den
Monitor an. Wir haben ´ne direkte Schalte in
seine Bude.
2.
V-Mann drückt auf die Fernbedienung. Beide klotzen auf
den Bildschirm an der Decke. Zu sehen ist ein Paar im Schlafzimmer.
Die beiden liegen nackt auf dem Bett und unterhalten sich.
3.
Szene INT. - Schlafzimmer - ABEND
Ein
Paar. Er ist Journalist, sie ist Ärztin. Auf einem kleinen
Nachttisch neben dem Bett liegt das Nachrichtenmagazin "Der
Spiegel". Auf einem Stuhl liegen sorgfältig zusammengelegt
ein weißer Arztkittel, Bluse und Hose; unter dem Stuhl
befinden sich weiße Birkenstockschuhe. Ein Stethoskop
liegt auf dem Schreibtisch des Zimmers. Die beiden V-Männer
platzen mitten in eine Unterhaltung des Paares.
ER
Ich
fühle mich seit Tagen beobachtet.
SIE
Du
bist Journalist. Das bringt der Job mit sich.
ER
Übertreib
nicht. Ich schreibe über Heimatvereine, Kaninchenzüchter
und pensionierte Lehrer.
Wen
sollte ich interessieren?
SIE
Stimmt.
Du bist vollkommen uninteressant.
ER
Sprich
nicht so laut. Die Kinder.
SIE
Was
ist mit den Kindern?
ER
Sie
könnten uns hören.
SIE
Du
bist paranoid. Weißt du das?
ER
Kannst
du mich nicht einmal ernst nehmen? Manchmal glaube ich, der
einzige Mensch auf der Welt, der mir noch gern zuhört,
ist Pater Ralph.
SIE
Das
mag schon sein. ( abfällig ) Schatz.
4.
Szene EXT. - MAUERWAND - ABEND
BND-Mann
hält noch immer das Ohr an die Wand gedrückt. Stasi-Mann
drückt auf seinem Handy unbeholfen herum.
STASI-MANN
Was
passiert da drin?
BND-MANN
Die
gucken Fernsehen.
STASI-MANN
Das
wird mir hier bald zu langweilig. Komm,
lass
uns was losmachen.
BND-MANN
(
vorwurfsvoll ) Wir haben einen Auftrag zu erfüllen.
Hast
du vergessen, welche Verantwortung wir für unser Land
hier tragen?
5.
Szene INT. - Schlafzimmer - ABEND
Die
Frau spricht weiterhin in normaler Zimmerlautstärke.
Er flüstert seine Sätze.
ER
Ich
bin ein gebranntes Kind. Das weißt du doch?
SIE
Ich
kann keine Spuren auf der Haut deines Körpers entdecken.
ER
Meine
Seele trägt tiefe Narben. Mein Vater pflegte die Sprachlosigkeit
bei uns früher zuhause. Die Staatssicherheit hat ihn
fertig gemacht. Seine Welt bestand aus Misstrauen und Verrat.
SIE
Wie
deine Welt. Lieblos.
6.
Szene INT. - ZIMMER HINTER DER WAND - ABEND
V-Männer
starren noch immer gebannt auf den Monitor. 1.
V-Mann hat die rechte Hand im Schritt vergraben.
2.
V-MANN
Gleich
bekomme ich Mitleid mit dem Journalisten. Der Vater bei der
Stasi! Ein Kind mit vernarbter Seele.
1.
V-MANN
Ach
was. Das ist gekonntes Ablenkungsmanöver. Lass dich nicht
täuschen von dem kleinen gerissenen Mistkerl.
(
ungeduldig ) Die beiden sollen uns lieber endlich
zeigen, was sie so draufhaben im Bett.
7.
Szene EXT. - MAUERWAND - ABEND
Beide
Männer stehen jetzt lauschend vor der Wand und drücken
ihre Ohren an die Mauer.
BND-MANN
Ein
Stasi-Hurensohn. Ich glaube es nicht.
STASI-MANN
Du,
sag jetzt ja nichts gegen die Stasi.
BND-MANN
Halt
die Fresse oder ich knall dich ab.
BND-Mann
holt aus der Innenseite seiner Jacke eine Pistole. Zielt auf
den Kopf des STASI-Manns und drückt ab. Sein Hirn klatscht
an die Mauer und rutscht in Zeitlupe an der Wand zu Boden.
Es fällt auf den STASI-Mann drauf, der bereits auf dem
Boden liegt.
BND-Mann
eiskalt zu dem Toten sprechend.
BND-MANN
Ich
habe dich erlöst von der intimen Tyrannei der Spionage.
Du Waschlappen.
Er
drückt auf eine Taste seines Handys. Am anderen Ende
meldet sich eine Frau.
BND-MANN
Ich
habe ihn erwischt. Kopfschuss. Holt ihn ab und
bringt
ihn schnell unter die Erde.
FRAU
Lass
aber sein Handy in der Jacke stecken. Dann
finden
wir ihn schneller über den Bewegungsmelder.
ENDE.
"Recht
auf freie Kommunikation"
Art.
10 Grundgesetz
(Brief-
Post- und Fernmeldegeheimnis)

Der Heuchler gleisst ohne Geist.
sais zyb.POE

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