
Mama, Charlies Mutter hat gesagt, ...
Änni:
Mama, Charlies Mutter
hat gesagt, Liebe ist eine doofe Krankheit. Die Menschen leiden dabei
an einer Wahrnehmungsstoeurung.
Mama:
Liebe ist keine Krankheit, Goldkind. (lacht)
Charlies Mutter fehlt es wohl eher ein bisschen an Liebe.
Änni:
Ja aber wenn es keine Krankheit ist, wie Charlies Mutter behauptet, was ist
dann Liebe, Mama?
Mama:
Liebe ist ein starkes Gefühl. Liebe verzaubert die Menschen,
Änni.
Änni:
So wie Bibi böse Hexen verzaubern kann?
Mama:
Nein Änni, mit Hexerei hat Liebe nichts zu tun. Ich liebe Papa,
weil ich ihn liebe und nicht weil deine Bibi Blocksberg mich und Papa
verhext hat.
Änni:
Ja gut, aber warum liebst du Papa? Ich versteh das nicht.
Mama:
Hm, nun willst du es aber genau wissen, was Änni!
Änni:
Ja klar! Ist es wirklich so schwer, Liebe zu erklären, Mama?
Mama:
Im Grunde ist es ganz leicht. Ich liebe deinen Papa, weil ich ihn gern
riechen mag, ich liebe ihn, weil er mir auch in der Ferne ganz nah ist,
ich liebe ihn, weil seine Lippen schmecken wie der tiefe weite Ozean,
ich mit ihm lachen und mich auch hin und wieder mit ihm verkrachen kann, weil
ich neben ihm liege und dabei mit ihm in neue Länder fliege, weil ich mit
ihm zusammen Falten bekomme und ihn noch mehr liebe, weil ich mich betrinke,
wenn ich in ihm versinke.
Änni:
(entsetzt) Stopp! Mama. Ich glaube fast,
Charlies Mutter hat Recht. Es klingt wie eine Wahrnehmungsstörung. Betrinken
und versinken ... bah. Was erzählst du da? (zweifelnd)
Mama:
Änni, so ist das mit der Liebe. Sie ist einfach da und du schwebst
ganz leicht über der Erde. Liebe ist ein sinnlicher Rausch, Liebe
ist ein Geschenk des Himmels für die Menschen.
Änni:
Kostenlos? Wau! Kann ich mir auch so ein Geschenk wünschen?
Mama:
Nun sei nicht albern, Änni. Ich habe dich doch auch ganz doll lieb.
Änni:
(lachend) Keine Sorge Mama. Ich spüre
das. Aber mit dir betrinken möchte ich mich glaube ich nicht im Moment.
Einverstanden?
Mama:
Na da bin ich aber ehrlich gesagt froh drüber, Änni. Was würde
Papa sagen, wenn er morgen wieder nach Hause kommt und uns beide angetrunken
antrifft!
Änni:
Liebestrunken, die Damen, würde er fragen. Und sagen, da tanzen
ja wieder mal die Mäuse auf den Tischen, wenn ich nicht da bin. (überlegt
kurz ...) Trinken wir Wein oder Bier,
Mama?
(Beide lachen nun schallend laut, minutenlang, bekommen
Tränen vor Lachen in die Augen. Ein Sektkorken knallt und landet an der
Zimmerdecke. Erneut schallendes Gelächter.)